Sonntag, 19. August 2018

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Gent, das am Zusammenfluss von Leie und Schelde liegt, entstand im 7. Jahrhundert nahe der St. Baafs-Abtei und verdankte seine mittelalterliche Blütezeit dem schwunghaften Tuchhandel. Bis heute hat sich ein beeindruckendes Stadtbild erhalten. Viele sehenswerte Bauwerke wie das Ensemble gotischer Treppengiebelhäuser in der Korenlei und in der Graslei sowie die St. Bavo-Kathedrale, das kunsthistorisch wohl bedeutsamste Bauwerk der Stadt, regen an, zu staunen und zu verweilen.

Am zweiten Tag stand ein Ziel auf dem Programm, das besonders im Herbst zum Träumen einlädt: Brügge! Die Stadt zählt aus guten Gründen zu den schönsten Städten in Europa, so wurde ihre historische Altstadt im Jahr 2000 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. In den verschlungenen Gässchen begegneten die SchülerInnen vielen Sehenswürdigkeiten, die in ihrer Gesamtheit ein eindrucksvolles Bild der wechselvollen Stadtgeschichte widerspiegelten. Zwei ortskundige Historikerinnen erläuterten interessante Details, beispielsweise über den Belfried oder die Heilig-Blut-Basilika, während die Reisegruppe durch goldenes Laub an romantischen Grachten vorbei flanierte. In der Mittagspause genossen alle bei strahlendem Sonnenschein typisch belgische Fritten aus der – nun nachweislich – besten  Frittenbude auf dem Genter Markt. Anschließend fuhr die Klasse an die belgische Nordseeküste in das Seebad Ostende, einem der wichtigsten Fährhäfen für den Verkehr nach England. Neben dem Blick auf das raue, offene Meer überraschte der Ort mit moderner Kunst sowie mit einer lebendigen Innenstadt, die – im verhältnismäßig teuren Belgien – die Jugendlichen zum preisgünstigen Shoppen einlud. Abends fielen die meisten rasch in ihre Betten und schlummerten dem Ausflug des nächsten Tages entgegen.

Mittwoch stand dann Antwerpen, die geschichtsträchtige Handelsmetropole Flanderns, auf der Tagesordnung. Neben einer geführten Tour vorbei an unsterblichen Kunstwerken von Peter Paul Rubens, aber auch an der ersten Buchdruckerei der Welt, gab es Gelegenheit, im Diamantenviertel eine Diamantenschleiferei von innen zu erkunden. Nach wie vor werden in Antwerpen rund 60% aller Diamanten weltweit gehandelt. Von daher erklang bereits auf der Hinfahrt über die Lautsprecher im Bus der Klassiker „Diamonds are a girl´s best friend!“, ein stimmungsvoller Einstieg in ein Referat, das die SchülerInnen für die Studienreise vorbereitet hatten. Und die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht, denn es bestand Gelegenheit, die teuersten und lupenreinsten Schmuckstücke am eigenen Finger zum Funkeln zu bringen und sich so zumindest einmal im Leben wie eine Marilyn Monroe oder Angelina Jolie fühlen zu können! Abschließendes Ziel des Tages war ein Rundgang durch den beeindruckenden Hafen von Antwerpen, der bis heute als einer der wichtigsten Güterumschlagplätze Europas gilt. Gerade für die WG62, die den Leistungskurs Betriebswirtschaft belegt, war ein Ausflug nach Antwerpen “die“ Chance, Handel in weltweiten Dimensionen nachempfinden zu können.

Der Donnerstag stand dann noch einmal ganz im Zeichen von Gent. Über eine geführte Bootstour erlebten die SchülerInnen die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich vom Wasser aus, vorbei an der mittelalterlichen Grafenburg, die für die Serie „Game of Thrones“ hätte Pate stehen können. Was für ein Fotomotiv! Anschließend gab es die Möglichkeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Einige nutzten die Gelegenheit, um für ihre Eltern, Freunde oder Verwandte kleine Geschenke zu besorgen, so zum Beispiel belgische Pralinen oder eine Flasche aus einer der unzähligen Sorten des belgischen Bieres. Am Abend ließen sich alle in der Gracht vor dem Hostel nieder, genossen bei “T-Shirt-Wetter“ den Sonnenuntergang und kamen mit StudentInnen ins Gespräch, die in Gent ein Studium aufgenommen haben. Mehr als die Hälfte der Belgier haben Niederländisch als Muttersprache, 40 Prozent sprechen von Haus aus Französisch und nur eine kleine Minderheit im Osten des Landes kommuniziert auf Deutsch. Dennoch fiel den SchülerInnen des Wirtschaftsgymnasiums die Verständigung nicht schwer, zumal Fremdsprachen wie Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch fester Bestandteil ihres Unterrichts am BK Südstadt sind. Anschließend besuchten Lehrer und Schüler gemeinsam den berühmtesten Jazzclub der Stadt, um dort einem Live-Konzert zu lauschen und die erlebnisreiche Woche mit Musik und Tanz ausklingen zu lassen. „Pauker“ und Schüler gemeinsam, fröhlich und ohne Notendruck auf der Tanzfläche, ein unvergesslicher Augenblick!

Nach einer relativ kurzen Nacht und einem letzten gemeinsamen, stärkenden Frühstück im gemütlichen Gastraum des Hostels stand am Freitag die Heimreise auf dem Programm. Bei Kaiserwetter verlief die Busfahrt erneut reibungslos und alle kehrten müde, aber von den vielen unvergesslichen Eindrücken ihrer Reise beseelt, heim. Entsprechend herzlich und überschwänglich fiel das Feedback an die Organisatoren der Reise, aber auch an den Busfahrer aus. Es dürfte daher nicht die letzte Studienfahrt nach Belgien gewesen sein!?

 

Alexander Neeb, Klassenleitung WG62